Ich kann wahrlich nicht behaupten, dass Günther k. ein glücklicher Junge gewesen ist. Nein, vielmehr haftete das Pech und das Unglück wahrlich an seinen Füßen. Er hatte wirklich ein schweres Leben, vor allem ohne die jugendliche Freude, wie viele andere fünfzehnjährige. Deshalb ist er jetzt wohl auch hier oben bei den eigentlich guten Menschen, obwohl ja eigentlich gar nicht hier sein dürfte, wenn man sich ganz streng an die christlichen Normen halten würde. Aber ich sage es ihnen im Vertrauen, ich halte diese Statuten eh für zu streng und nehme sie deswegen auch nicht so genau. Deswegen bin auch ich der Meinung Günther K. hat es sehr wohl verdient, dass er hier in unserer Mitte aufgenommen wird. Verdient hat er sich es, obwohl er sich es ja gar nicht verdient hatte. Aber er hatte auch einfach keine Zeit sich im Leben auszuzeichnen. Vielmehr brach er Gesetze und auch die 10 Gebote, denn er stahl, er ehrte nicht seinen Vater nicht, sondern er hasst ihn vielmehr und auch war er oft neidisch auf die Besitztümer seiner Klassenkameraden. Da Wort Freunde wäre nicht wirklich angebracht, denn die meisten waren keine Freunde, sondern sie waren vielmehr seine Feinde. Feinde hatte er viele, der Günther K., aber Freunde hatte er kaum. Das lag wohl auch daran, dass seine Eltern beschlossen, als er wohl so etwa 10 Jahre alt war, aus Leipzig wegzuziehen und nun nach Düsseldorf zu gehen. In Leipzig hatte Günther K. auch schon sehr wenige Freunde, aber er hatte noch einige. Der Grund, warum er in Leipzig so wenig Freunde hatte, war wohl, dass sein Vater kriminell war und deswegen niemand etwas mit Günther K. zu tun haben wollte, denn die Eltern der anderen Kinder befürchteten wohl, die kriminelle Energie könnte von Günthers Vater am Günther selbst vererbt worden sein und ihre Kinder würden dann in den Kreis von Kriminalität geraten. Eine Schlussfolgerung die noch mehr blöd, als falsch ist. Günther K. war ein lieber Junge, der zu dieser Zeit noch brav und noch gesetzestreu war. Die Eltern der anderen Kinder waren wohl krimineller als Günther K., denn sie förderten reihenweise Schwarzarbeit, rasten, tricksten bei der Steuererklärung und haben bestimmt auch mal alles in ihrer Jugend was geklaut. Vielleicht auch nach ihrer Jugend und wenn es auch nur eine Büroklammer vom Arbeitskollegen war, so war dies ein Diebstahl und damit waren eben sie kriminell, also hätten sie eigentlich keinen Kontakt zu ihren Eltern haben dürfen. Sicherlich war Günthers Vater kriminell und zwar sogar sehr stark. Aber die Eltern brauchten nicht zu befürchten, dass ihre Kinder mit diesem Kontakt haben würden. Zum einen, weil Günther k. nie Freunde mit nach hause nahm, weil er sich schlichtweg schämte, zum anderen wäre Günthers Vater eh nicht zu hause gewesen.. Denn er kam meistens nur abends nach hause um seine Familie zu terrorisieren. Er schlug seine Frau, wie auch den armen kleinen Günther K., der Sich natürlich nicht im geringsten wären konnte. Günther fragte sich immer und manchmal auch seine Mutter, warum sie sich das gefallen ließe, denn er selbst konnte mit seinen damals unter 10 Jahren nichts machen. Seine Mutter meinte damals, dass sie einfach nichts machen kann. Wenn der Vater erfahren würde, dass sie ihn angezeigt hatte, wegen seiner alltäglichen Attacken, dann würde er noch grausamer werden. Noch grausamer? Geht das überhaupt noch? Günther K. zweifelte daran. Aber das Problem war, dass der Vater sofort davon erfahren hätte, denn beim Polizeirevier, das nur 2 Straßen weiter war, war einer der höher gestellten Wachhabenden ein Freunde von Günther K.´s Vater. Ob er wirklich ein Freund war, ist wirklich sehr schwer zu sagen, vielleicht bestach ihn der Vater auch nur, dass er nichts gegen seine Straftaten unternahm. Kriminell war der höhere Wachhabende auf jedem Fall auch, da bin ich mir mit Günther K. einig. Denn allein die Deckung der Straftaten von Günthers Vater ist schon eine Straftat. Aber einmal gelang dies dem Polizisten nicht, seitdem kann der Polizist nicht mehr richtig gehen, da sein rechter Fuß stark lädiert ist, nachdem ihn „zufällig“ ein unbekannter Raser anfuhr. Aber Günther K.´s Vater war es sicherlich nicht, sondern vielmehr ein anderer aus dieser kriminellen Bande. Günther K.´s Vater kann es einfach nicht gewesen sein, denn dieser saß zu jener Zeit im Gefängnis wegen Mordverdachtes. Er wurde am Ende freigesprochen, denn man konnte ihn den Mord einfach nicht vollends nachweisen. Aber er war es, ich habe es genau gesehen. Er schoss zweimal auf den Bosnier, noch dazu aus dem Hinterhalt. Der Grund hierfür ist, dass Günther K.´s Vater rechtsradikal war und außerdem hatte er gesehen, dass der Bosnier ein paar gute Schmuckstücke hatte, die sich wohl sehr gut verhehlen lassen würden. Denn der arme Bosnier war ein sehr anständiger Mann, der seit 8 Jahren in Deutschland war und er hatte immer gearbeitet und hat sich von unten nach oben durchgearbeitet. Er kam auch vor 8 Jahren hier an, ein sehr netter man kann ich ihnen sagen, noch dazu ist er wirklich auch sehr gebildet. Er hat in seinem Leben, welches ja schon nach 29 Jahren beendet wurde, garantiert mehr als doppelt so viel gearbeitet, wie sein Mörder mit seinen damals ebenfalls 29 Jahren, denn Günther K.´s Vater hat nie gearbeitet, sondern er lieber kriminell und das nahm genug Zeit ein. Die restliche Zeit verbrachte er oft mit betrinken, wobei man auch munkelt, dass er des öfteren Bordelle aufsuchen soll.

Günther K. zweifelte oft daran und ich glaube, dass er es auch heute noch tut, ob sein Vater wirklich sein Vater ist. Bei seiner Mutter war er sich sicher, dass es seine richtige Mutter ist, denn das hatte er einfach so im Gefühl. Aber bei seinem Vater wusste er nicht so recht. Ich selbst weiß die Wahrheit über die genaue Herkunft von Günther K., aber ich habe sie im bislang noch nicht erzählt und will dies auch nicht tun, wenngleich mir natürlich vollends bewusst ist, von welch großer Bedeutung dies für ihn ist. Er hat es ja eigentlich auch nicht verdient weiterhin in dieser Unwissenheit zu leben, denn dafür war sein Leben hart genug. Aber ich bin der Ansicht, dass wenn er es nie in seinem Leben erfahren hat, scheint dies wohl auch seine Gründe zu haben. Vielleicht hielten ihn seine Eltern, oder besser gesagt seine Mutter auch immer nur zu jung, dass er die Wahrheit erfährt. Wahrscheinlich war es das auch, aber irgendwann hätte er es ja erfahren müssen und vor allem war es für ihn von durchaus großer Bedeutung. Ich glaube ja auch, dass ihn die Wahrheit wohl noch mehr deprimiert und noch mehr trauriger oder gar wütender gemacht hätte, als er es eh schon gewesen ist. Wenn also Günther K. immer wieder einmal, eigentlich ja sogar sehr häufig, über seine Herkunft sinnierte und wieder dachte, wahrscheinlich sogar vielmehr hoffte, dass sein Vater gar nicht sein wirklicher Vater ist, verwarf er diesen Gedanken immer wieder sehr schnell. Sie fragen sich warum? Ich fragte es mich auch im ersten Moment als Günther K. mir das erzählte. Er erzählte mir auch, dass er es sich selbst oft fragte. Aber letztendlich lag es ganz klar auf der Hand: Er hielt seine Mutter, wenngleich sie ihm auch nicht wirklich half, aber wohl nur aufgrund ihrer unzureichenden Mittel hierzu, denn sie hätte ihm bestimmt gerne geholfen, für eine treue Person. Aber nicht aufgrund ihres Charakters, sondern vielmehr, weil sie Angst vor ihren Mann hat und dass dieser von einem eventuellen Seitensprung erfahren würde. Er würde es wohl auch sehr wahrscheinlich erfahren, denn ihn kennt jeder und er bekommt immer jede Informationen, welche es haben will, wenn auch mit Gewalt, aber diese ist eh so ziemlich das einzigste, was er kennt. Auch ist fraglich, ob sich überhaupt jemand trauen würde mit seiner Frau ins Bett zu steigen, denn Günther K.´s Vater würde diesen jemanden im besten Falle krankenhausreif schlagen, oder schlagen lassen. Deswegen verdrängte Günther K. immer wieder die Gedanken über seiner womöglich anderen Vater, von dm er trotzdem hoffte, dass er existierte und dass er besser wie sein angeblicher Vater war, wobei er kaum hätte schlechter sein können. Überhaupt versuchte Günther K. oft seine negativen Gedanken zu verdrängen, was aber nicht möglich war, da er eigentlich nur negative Gedanken hatte, woher hätte er auch positive Gedanken nehmen sollen? Es war schlichtweg unmöglich für ihn positiv zu denken, weswegen er seine negativen Gedanken letztendlich auch nicht verdängen konnte, denn er konnte nicht an nichts denken. Günther K. sagte zu mir, dass er meint, dass dies ja auch gar nicht möglich ist, an nichts zu denken. In diesem Punkt musste ich ihm einmal widersprechen, denn ich denke schon, dass dies möglich ist, wenngleich es sich als sehr schwer erweist. Versuchen sie es doch einmal.

Überhaupt möchte Günther K. seinen Vater nicht, was nicht nur an seinen Zweifel über die tatsächliche Vaterschaft lag. Diese Zweifel hatte er übrigens schon sehr früh, er meinte, dass diese Zweifel wohl mit etwa 5 Jahren begannen, aber als kleines Kind glaubt man ja oft, dass seine Eltern gar nicht die richtigen Eltern sind. Aber normalerweise normalisiert sich das mit den Jahren. Bei Günther K. änderten sich zwar diese Zweifel auch, aber sie wurden vielmehr konkreter und logischer. Natürlich wurden sie verstärkt durch den Hass, den er gegenüber seinen Vater hatte. Das Zustandekommen dieses Hasses hat mehrere Aspekte. Zum einen natürlich die schlechte Behandlung von Günther K. und seiner Mutter durch seinen Vater. Die kriminelle Energie seines Vaters verbaute Günther K. auch den Kontakt mit anderen Kindern. In den Kindergarten wurde Günther K. ja sowieso nicht geschickt, aber nicht, weil seine Eltern kein Geld hatte, denn sein Vater war kriminell genug um dauerhaft Geld zu haben, dass er aber nur für sich verwendete. Das Geld war Günther K.´s Vater einfach viel zu schade um damit eine in seinem Sinne nichtige Sache wie die Kindheit seines vermeintlichen Sohnes zu finanzieren. Dies führte dazu, dass Günther K. bis zu seiner Einschulung nur wenig Kontakt mit anderen Kindern gehabt hatte, außer wenn einmal die „Freunde“ seines Vaters zu Gast waren, die ebenfalls kriminell waren und ihre Kinder mitbrachten, die aber genau das Gegenteil von Günther K. waren, denn diese waren stolz auf die Kriminalität ihrer Väter, aber auch nur, weil ihre Väter sie unglücklicherweise dazu erzogen haben. Günther K. wollte deswegen eigentlich nichts mit ihnen zu tun haben, eben auch, weil ihm diese Kinder unsympathisch erschienen, womit er ja vollkommen recht hatte. Als also dann Günther K. mit 6 Jahren in die Schule kam, hatte er bislang kaum Kontakt mit anderen Kindern gehabt, was dazu führte, dass Günther in der Schule überfordert mit der ihm sehr ungewohnten Situation war, plötzlich 30 andere, gleichaltrige Kinder um sich herum zu haben. Aber trotz dieser schlechten Vorraussetzungen gefiel ihm die Schule, denn Günther K. war sehr wissbegierig und vor allem war er auch ein sehr kluges Kind, dass auch logische Zusammenhänge sehr schnell erschließen konnte. Er war vielmehr der Klassenbeste in der Grundschule, was seine Mutter stolz machte, aber die konnte ihn nicht wirklich dafür belohnen, weil ihr die dafür notwendigen Mittel nicht zur Verfügung standen. Sein Vater allerdings hätte diese Mittel gehabt, aber er ignorierte die guten Leistungen seines Sohnes, die Lob bedürft hätten. Günther K. ließ sich allerdings dadurch nicht unterkriegen und lernte weiterhin immer fleißig. Günther K. hatte es immer schwer Anschluss an der Klassengemeinschaft zu finden, was zum einem daran lag, dass er den Kontakt mit anderen Kindern nie gelernt hat, zum anderen daran, dass die Eltern der anderen Kinder wussten, dass er der Sohn eines Kriminellen ist und deswegen keinen Kontakt der Kinder erlaubten. Günther K. wurde dadurch zwar immer mehr zum Außenseiter, aber er war in der Grundschule nie wirklich ein richtiger Außenseiter, denn so was gibt es in der Grundschule auch nur selten. Aber die Freunde, die er hatte, waren keine wirklichen Freunde, denn er hatten nie tieferen Kontakt mit ihnen, auch will sie sich nie miteinander in ihren jeweiligen Elternhäuser hätten treffen können, wobei Günther K. ja eh nie Freunde hätte mit nach Hause nehmen wollen. Aber alles in allem erging es Günther K. nicht so schlecht in der Grundschule, denn ein zumindest in der Schule wollten eigentlich fast alle neben ihm sitzen, da er ja der Klassenprimus war und sie nur von ihm abschauen wollten. Leider erkannte dies Günther K. nicht, dass man ihn nur ausnutzen wollte, aber er fühlte sich ja wohl in der Grundschule. Das lag wohl auch daran, dass als er in der 3.Klasse war sein Vater ein halbes Jahr lang wegen Mordverdacht in Untersuchungshaft saß und deshalb der Tyrann von zu Hause weg war. Als er aber dann zurückkam wütete er nur noch mehr und noch schlimmer als je zuvor. Ein Jahr später, es dürfte wohl so Anfang Juni gewesen sein, beschloss sein Vater eines Tages plötzlich, dass die „Familie“, die wie ich finde diesen Namen nicht wirklich verdient, denn mit Familie verbinde ich Wörter wie Liebe oder Harmonie, die in dieser Familie allerdings Fremdwörter waren, nach Düsseldorf zieht.