Ein Romananfang, von dem ich nicht weiß, ob es auch wirklich ein ganzer Roman wird, denn eigentlich schreibe ich zur Zeit an einem ganz anderen Roman, aber dieser Anfang hier, kam mir eines Nachts spontan in den Sinn. Arbeitstitel: Der Tag an dem ihn das Glück verließ.

Er wusste nicht, warum er sich auf einmal so unglücklich fühlte. Eigentlich war sein Leben doch so wie immer. Er studierte nach wie vor Geographie und das mittlerweile schon im sechsten Semester. Nebenbei arbeitete er auch immer noch bei dem Pizzaservice, auf den er durch Zufall vor knapp drei Jahren gestoßen war, als er gerade in diese fremde und ferne Stadt kam. Eine willkommene Abwechslung damals zu seinem alten Leben. Seine kleine Heimatstadt besuchte er auch noch, allerdings nicht mehr jedes Wochenende, wie zu Beginn, sondern nur noch höchstens einmal im Monat. Mit der Zeit wurde ihm diese Stadt immer mehr fremd, nicht zuletzt weil auch seine alten Schulfreunde, die alle woanders studierten, immer seltener dort anzutreffen waren. Sie hatten sich alle einfach auseinander gelebt und sahen sich immer seltener, jetzt fast gar nicht mehr. Menschen ändern sich, dachte er, und so war es für ihn nur allzu gut verständlich, dass der Kontakt immer spärlicher wurde, immerhin waren sie ja auch keine achtzehn mehr. Damals war das alles noch ganz anders. Da gab es nur sie und das war auch gut so. Aber dennoch trauerte er den alten Zeiten nicht nach. Die Zeit ändert sich, alles ändert sich. Wir uns auch. Aber hier hat er eh jede Menge neue Freunde gefunden mit den er sich so ziemlich jeden Abend in diversen Kneipen traf und sich voll laufen ließ. So auch heute wieder. Es war eigentlich wirklich alles so wie immer. Auch mit Nadja war er noch zusammen. Zusammen traf es wohl gerade noch am besten, denn Liebe war da zwischen beiden längst nicht mehr allzu viel. Auch bei ihr nicht, da war er sich ziemlich sicher, wobei man sich ja nie so wirklich sicher sein kann was das Einschätzen der Gefühle anderer Leute angeht, aber diesmal war er sich ziemlich sicher, zumal auch alles genau den Anschein machte. Aber er wollte nicht Schluss machen, denn zum einem ist dann wieder er der Arsch und zum anderen muss man sich dann nur wieder neu verlieben und das bringt ja auf Dauer auch nichts. Und sie wollte auch nicht diejenige sein, die unter ihre Beziehung, sofern man diese noch als eine solche bezeichnen kann, den Schlussstrich setzen wollte, dachte er sich, wobei er sich da absolut gar nicht sicher war, denn immerhin sagte, wobei es eher ein Schreien war, sie letzte Woche im Streit, dass er ja nur noch eine Fick-Beziehung ist. Das traf es ja eigentlich auch ganz gut, musste er sich eingestehen, aber so viel anders wie vor zwei Jahren war es ja nun auch nicht. Aber auf Dauer war das auch nicht gerade das Wahre, aber im Moment war es ja eigentlich echt nicht schlecht, wobei er sich manchmal, gerade in einsamen Momenten wie diesen nach richtiger Liebe und Zuneigung sehnte. Aber ihr gings da sicher nicht recht viel anders, dachte er, Frauen sind da ja so, ohne dass er genau wusste, was er da jetzt konkret dachte. In letzter Zeit verlor er sich oft in seinen Gedanken, die ihn manchmal selber sehr verwirrten, aber das machte ihm eigentlich gar nichts aus, es gefiel ihm vielmehr eigentlich sogar ganz gut. Gerade wenn er, was er in der letzten Zeit so ziemlich jede Nacht tat, vor der gräßlichen Tür zum Studentenwohnheim, in welchem er eine dieser teuren kleinen Zimmer, oder Zelle wie er immer zu sagen pflegte, bewohnte, stehen blieb und in den Sternenhimmel schaute. Das gab ihm ein Gefühl und auch der Freiheit, die er sonst so sehr vermisste. Er zündete sich eine Zigarette an, obwohl er ja eigentlich gar nicht mehr rauchte. Aber das war halt die Gewohnheit. Das sagte er zu Nadja auch immer. Auch gestern wieder. Aber die wollte das wie immer nicht als Ausrede gelten lassen, obwohl das eigentlich ja gar keine Ausrede war, sondern vielmehr eine Tatsache, aber das war Nadja egal, es nervte sie einfach, wenn er rauchte. Trotzdem rauchte er jetzt wieder, aber sie war ja jetzt zum Glück auch gar nicht in der Nähe. Es war also eigentlich alles wie immer, wie in all den anderen Nächten halt auch, in denen er hier stand und seinen Gedanken nachging. Monotonie pur, dachte er bei sich, auch nicht gerade das, was er wollte. Aber diese Monotonie störte ihn mittlerweile kaum mehr. Es war halt alles wie immer, wie an all den anderen Tagen. Naja, nur fast. Heute war nur fast alles so wie immer, wobei es das auch nicht traf. Es war vielmehr nichts mehr so, wie es mal war. An einem einzigen Tag hatte sich alles verändert. Fast alles. Das einzige was geblieben war, dass er wie jeden Abend hier stand und nachdachte. Das war aber wirklich schon alles.